Mareike Engelke - Duisburg

Innenhafen und mehr

„Ich liebe diese Stadt und ihre ganzen Macken heimlich.“

Mitte der 2000er zog es die Illustratorin Mareike Engelke aufgrund der geographischen Lage nach Duisburg. Aus Zufall wurde Liebe – nicht nur zu ihrem Mann und den zwei dicken Katern, mit denen sie dort gemeinsam wohnt. Mareike hat noch eines dieser berühmten Diplome in Krefeld ergattern können, bevor sie sich in ihren Beruf stürzte.
Heute arbeitet sie freiberuflich - manchmal alleine in Socken zu Hause, manchmal im Atelierhaus direkt im Industriehäfen mit Blick auf die dortigen Kräne mit 14 weiteren Mitgliedern der Kreativwirtschaft. Ihre Werke sind kindlich naiv und dennoch nicht oberflächlich.
Neben Veröffentlichungen in verschiedenen Magazinen und Verlagen wird im nächsten Jahr passenderweise ihre erstes Bilderbuch „Vor den 7 Bergen“ im Kunstanstifter Verlag erscheinen. Abseits der Arbeit beschäftigt sie sich mit ihrer Wahlheimat und erkundet sie mit dem Rad. „Ich liebe es, damit durch die kiezigen, verlassenen oder besonders industrielastigen Gegenden zu streunen.“
Ebenso liebt sie es, „jede kreative Regung, die es in dieser Stadt zu entdecken gibt, mit größter Neugier zu verfolgen. Ich arbeite wohl daran, alle anderen Kreativen in der Stadt zu entdecken.“
Text: Jan Kempinski
Foto: Bernhard Handick

mareikeengelke.de

art

Bananenhaus in Ruhrort

In leuchtendem Gelb strahlt einem die Fassade des Hauses in der Karlstraße 38 im rechtsrheinischen Duisburger Vorort Ruhrort entgegen. Inmitten seiner sonst unauffälligen Nachbarschaft ist das erste Bananenhaus auch heute, 15 Jahre nach seiner Umgestaltung durch den Kölner Künstler Thoms Baumgärtel, ein Unikat: Sein Besitzer Dieter Siegel-Pieper, Malermeister des traditionsreichen Maler-Unternehmens Pieper und Sammler moderner Kunst, arbeitete mit Baumgärtel zusammen und wollte mit der umgestalteten Fassade einen auffälligen Anziehungspunkt und ein Zeichen in Ruhrort schaffen - für Neugierige, Künstler und Kunstinteressierte.
Text: Carla Kaspari

Karlstraße 38 47119 Duisburg

eat&drink

Café und Friseur Glück

Um Duisburgs attraktives Kulturangebot Revue passieren zu lassen und/oder seinem Haupthaar einen neuen Schnitt zu gönnen, lohnt sich ein Abstecher zum Café (und Friseur) Glück am Rande der Fußgängerzone. Der kleine aber gemütliche Sitzbereich ist durch eine Glaswand vom angrenzenden Friseursalon getrennt, in dem Christiane und Alois das Glück mit ausführlicher Beratung und hautverträglichen Produkten am Schopfe packen möchten. Frisch frisiert fehlt im Café nicht mehr viel zum unbesorgten und nachhaltigen Wohl: Birgit serviert Kaffee aus einer kleinen Privat-Rösterei in Neuss, Kakao aus Bio-Anbau, der Tee kommt vom Fachhändler. Frisch zubereitete süße und deftige (teils vegane) Speisen zu erschwinglichen Preisen und warmes Ambiente machen den Eindruck perfekt: Wenn Glück Zufriedenheit und Harmonie bedeutet, dann kann man es hier finden.

Text: Carla Kaspari
Foto: Myriam Kasten Photographie

Obermauerstraße 39 47051 Duisburg http://www.du-im-glueck.de/

art

Minimal Art trifft Ai Weiwei

Unweit des Duisburger Hauptbahnhofs liegt das Museum DKM in einer ruhigen Seitenstraße. Die Namensgebung des privaten Ausstellungshauses geht auf die Initialen der Gründer Dirk Krämer und Klaus Maas zurück, deren während rund 40 Jahren gesammelte Stücke im puristischen 60er-Jahre-Bau als Dauerausstellung zu sehen sind. Den „Linien stiller Schönheit“ folgend kann sich der Besucher auf eine Präsentation freuen, die zeitgenössische europäische Kunst, alte und aktuelle Kunst vom Orient bis Fernost und aus Alt-Ägypten, Gefäße aus 5.000 Jahren Kulturgeschichte sowie klassische und zeitgenössische Fotografie zeigt und Gemeinsamkeiten in der Formensprache der Exponate sucht: Minimalismus, Meditation und Zeitlosigkeit können auch als Prinzip des Museums gelten, auf schriftliche oder auditive Erläuterung der Stücke wird daher verzichtet. Regelmäßige Wechselausstellungen knüpfen an den Leitsatz des Hauses an.

Aktuelle Ausstellungen:
„Shin Hanga – Japanische Landschaften“ – Sven Drühl, bis 10.01.2016
„antagomorph“ – Gereon Krebber, bis 05.03.2017

Text: Carla Kaspari

Güntherstraße 13 47051 Duisburg http://www.museum-dkm.de

art

Kunst ist für alle da

Vom DKM Museum läuft man keine 500m zum mitten im Immanuel-Kant-Park gelegenen Lehmbruck Museum. Der im Park angelegte Skulpturengarten mit mehr als 40 Großskulpturen von KünstlerInnen wie Meret Oppenheim oder Henry Moore umgibt den architektonisch herausragenden Nachkriegsbau und unterstreicht bereits vor Eintritt die Philosophie des Museums internationaler Skulptur: Die Grenzen zwischen Kunst und Natur, öffentlichem und abgeschlossenem Raum sollen verwischt, das Museum zum Ort für alle gemacht werden. Innen kann der Besucher anhand des Nachlasses Wilhelm Lehmbrucks eindrucksvoll die Entwicklung moderner Skulptur nachvollziehen. Mit Werken von Ernst, Dalì, Picasso oder Giacometti setzt sich die grenzübergreifende Thematik auch innerhalb der Präsentation fort, regelmäßige Veranstaltungen und Wechselausstellungen komplementieren den Leitsatz des Lehmbrucks: Kunst ist für alle da.

Aktuelle Ausstellungen:
„Im Studio – Wilhelm Lehmbruck“, bis 06. August 2017
„SCULPTURE 21ST: DANIA DAKIĆ“, 26. Januar 2017 – 19. März 2017

Text: Carla Kaspari

Düsseldorfer Str. 51 47051 Duisburg http://www.lehmbruckmuseum.de

parks&places

Der Duisburger Innenhafen

Fast hanseatische Gefühle kommen bei einem Spaziergang durch den Duisburger Innenhafen auf. Der Charme der Backsteinbauten als Relikte des früheren Umschlagplatzes für Getreide prägt das Bild der Meile, die heute Kultur, Arbeit, Wohnen und Freizeit verbindet. So beherbergt eines der historischen Speichergebäude das Landesarchiv NRW, für einen Einblick in die Bestände steht Interessierten der Lesesaal der Bibliothek kostenfrei zur Verfügung. Im architektonischen Kontrast liegen ein Stück weiter die Five Boats vor Ufer, ein imposanter Bürokomplex, der vom englischen Star-Architekten Nicholas Grimshaw entworfen, auf rund 22.000 m² Bürofläche bietet. Am anderen Ufer befindet sich der Garten der Erinnerung im Altstadtpark. Der israelische Bildhauer Dani Karavan entwickelte hier ein Gesamtkunstwerk skulpturaler Architektur, das teilweise auf vorhandener Bausubstanz zum Abriss freigegebener Hafengebäude fundiert. Gleichzeitig bietet es als „soziale Plastik“ Sitz- und Nutzfläche für die Hafenbesucher. Am Rande des Gartens liegt außerdem das jüdische Gemeindezentrum, ein Gebäudekomplex mitsamt Synagoge, der architektonisch der Stilistik des Parks entspricht. Er befindet sich unweit der alten Synagoge in der Junkernstraße, die 1938 in der Pogromnacht zerstört wurde.

Text: Carla Kaspari
Foto: Edwin Juran

Hansegracht 10 47051 Duisburg