Köln

In einer echt Kölschen Kneipe würden allenfalls ein Ahnungsloser oder ein ausgesprochener Dangerseeker ihr Alt bestellen. Der Legende nach beruht das Konkurrenzverhältnis zwischen Köln und Düsseldorf auf einer „Schlacht von Worringen“. Es wird seit 1288 gepflegt, aktuell vorzugsweise im Rheinischen Karneval ausgetragen (weil die Düsseldorfer Fortuna nicht mehr Erstklassig spielt) und ist (unter anderem) per ausführlichem Wikipediaeintrag dokumentiert. Wenn sein FC fünf Spiele in Serie gewinnt, denkt der Kölner an Meisterschaft. Es liegt ein Hauch von Größenwahn über der Stadt, die seit römischer Zeit bedeutend ist, worin besagte Megalomanie vermutlich wurzelt. Das freilich kommt nicht unsympathisch rüber. Eine Imagestudie aus dem Jahr 2002 kam zu dem Ergebnis, dass relevante Imagefacetten der Stadt von Kölnern und Nichtkölnern gleichermaßen stabil positiv bewertet werden. Gewisse Qualitäten, der Standort als Medienstadt z.B., bewertet der Kölner selbstredend besser als ein Auswärtiger.
Wolfgang Kienast

Achim Schmitz

Für die Mädchen ist es einfach: Weiße Engelchen umringen Achim Schmitz und während die anderen Jungs in Blau antanzen, trägt er zur Erstkommunion braunen Feincord, beiges Hemd, braune Samtfliege, braune Schuhe. ...

Read more

Lena Schröder

Der Begriff ‚Upcycling‘ hat es ja irgendwie total verkackt“, sagt Lena Schröder. Doch die Etikettenkleberei hat die Designerin an den Hacken, weil sie die Stoffe für ihre Trinkhallen Schickeria-Kollektionen nicht aus dem Fachhandel ...

Read more

Nathan Ishar

Als Kind des Ruhrgebiets zog es den studierten Juristen von Bochum nach Köln. Dort widmet Nathan Ishar sich nun seinen zwei großen Leidenschaften: Third Wave Coffee und Fotografie – vermutlich sogar täglich in ...

Read more

Sabine Voggenreiter

Köln ist eine Möbelstadt, und daran ist Sabine Voggenreiter nicht ganz unschuldig. 1989 lud sie Kölner Designer, Möbelhäuser, Designgalerien und Hochschulen ein und brachte sie mit internationalen Herstellern und Designern zusammen. Allerdings ...

Read more

Makk

Manche der Designobjekte im MAKK wurden, sofort nachdem sie die Welt erblickten, zu Objekten der Begierde - und sind es noch heute: Der Mercedes SL, der Kugelsessel von Eero Aarnio oder Alessio Küchenutensilien. Andere wurden erst Jahrzehnte später als Ikonen des Designs verstanden, ob die Stereoanlage von Braun, das Schweizer Taschenmesser oder der erste Macintosh - der schon die späteren iMac Welten und iPhone Logik in sich trug, wie wir heute wissen. Dieser Teil des MAKK wird von den Machern des Vitra Design Museum in Weil am Rhein kuratiert und beinhaltet die Design Schlüsselwerke des 20. Jahrhunderts auf zwei Etagen: Möbel, Lampen, Telefone, Fernsehgeräte, Kameras, Radios, Haushaltsgeräte, Bestecke, Gefäße. Die Klassiker, gestaltet zum Bespiel von Charles und Ray Eames, Dieter Rams, Frank Lloyd Wright, Philippe Starck, Ettore Sottsass, Stiletto oder Joe Colombo, stellt das MAKK neben alltägliche Dinge heute namenloser Erfinder und Gestalter - insgesamt 120.000 Objekte aus 800 Jahren europäischer Kunst und des Kunsthandwerks. Designobjekte des Hauses stellt das MAKK in Sonderausstellungen neben Kunst, um der bis heute ungelösten Frage nachzugehen: „Wo endet die Kunst, wo beginnt das Design - und umgekehrt?“ Der Schwerpunkt der hauseigenen Kunst-Sammlung liegt auf der konstruktiven, geometrischen oder konkreten Formensprache aus dem Umfeld von De Stijl, Bauhaus und der Russischen Avantgarde, Werke von Piet Mondrian, Man Ray, Oskar Schlemmer oder Alexander Rodtschenko. Die Trennung zwische Alltagsgegenständen und zweckfreien Kunstwerken, zwischen Massenware und Unikat erscheint ohnehin seltsam mit Blick auf Künstler wie Marcel Duchamp, Andy Warhol oder Damien Hirst oder die Haute Couture. Die moderne Kunst verwandelt Alltagsgegenstände durch Entfremdung in Kunst. Besucher können im MAKK die Verbindungslinien zwischen Schönheit und Funktionalität an tausenden Gegenständen studieren und begegnen dabei der jahrhundertealten Geschichte von Gestaltung und Technik - und manch Dingen aus der eigenen Wohnung.

Zu den PASSAGEN 2017 eröffnet das Museum für Angewandte Kunst Köln „FULL HOUSE: Design by Stefan Diez“ – die erste umfassende Werkschau eines der bedeutendsten deutschen Designer der jüngeren Generation. Die Einzelschau gibt einen detaillierten Einblick in die Werkstatt des Münchner Designers Stefan Diez. Sie deckt seine Entwurfshaltung auf und erklärt die entscheidenden Schlüsselmomente im Rahmen des Entwicklungsprozess von Möbeln, Leuchten, Accessoires und anderen Alltagsgegenständen.

Autor: Christian Caravante
Foto: Constantin Meyer Photography

An der Rechtschule
50667
http://www.museenkoeln.de/museum-fuer-angewandte-kunst

Ökorausch

Das ökoRAUSCH Festival für Design & Nachhaltigkeit ist ein Designfestival mit Haltung. Es steht für durchdachte Gestaltung, die den Menschen, die Gesellschaft und die Umwelt an erste Stelle rückt. Schnittstellen zwischen Design und Kunst eröffnen zudem spannende Themenfelder und sind Wegweiser für innovative Zukunftsstrategien. Das ökoRAUSCH Festival findet 2017 erstmals im Museum für angewandte Kunst Köln (MAKK) statt und öffnet seine Tore vom 12. bis 21. Mai.

Nachhaltigkeit braucht Kreativität
Herzstück des Festivals ist eine Ausstellung, die hochwertige, nachhaltige Produkte, innovative Designkonzepte und künstlerische Positionen im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung in den Mittelpunkt stellt. Der Begriff Nachhaltigkeit braucht die Fähigkeiten der Designerinnen und Künstlerinnen, um den Menschen auf belebende Art und Weise die Relevanz des Themas zu verdeutlichen. Mit spielerischen Methoden, intelligenten Ansätzen und unkonventionellen Ideen stellen sie ihr Talent unter Beweis und verknüpfen Gestaltung mit Sinn.
Neben der Vorstellung von Gestalterpersönlichkeiten und ihren Arbeiten wird auch ein umfangreiches Programm mit Beiträgen aus Design, Kunst, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik – stets im Spiegel des Leitmotivs Nachhaltigkeit – Inspirationsquellen und Anknüpfungspunkte zu nachhaltigem Wirtschaften, umweltpolitischem Engagement, sozialer Gerechtigkeit und kultureller Vielfalt bieten. Das Zusammenspiel verschiedener Disziplinen, und besonders die inhaltlichen Schnittstellen zur Kunst, bieten einen Perspektivwechsel und bereichern das Festival. Durch das Sichtbarmachen aller Anknüpfungspunkte, wie (Kreativ-) Wirtschaft, Wissenschaft und Politik gelingt es dem ökoRAUSCH Festival, sowohl Fachleute als auch ein breites Publikum anzuziehen. Mit jährlich mehr als 3.000 Teilnehmerinnen beweist das Format, welche bedeutende Rolle der Faktor Design als Medium und Motor für eine sozial-ökologische Transformation der Gesellschaft spielt.
Autor: Dunja Karabic
Fotos: Bozica Babicund Georg Valerius*

http://www.oekorausch.de

places

Passagen und IMM

Köln kann im Januar sehr grau sein. Muss aber nicht. Für visuelle Abhilfe sorgen jedes Jahr die Passagen mit angesagtem Interieur Design, das überall im Stadtgebiet präsentiert wird – mitten im normalen Leben.

Man könnte meinen, dass das mit den Passagen eine jener Ideen gewesen sein muss, wie man sie zu vorgerückter Stunde bei einem Glas Kölsch hat. Nein, sagt Organisatorin Sabine Voggenreiter lachend, so sei das damals nicht gewesen. Also doch kein Tresenweltentwurf, sondern die logische Konsequenz des bisherigen Handels. Voggenreiter hatte schon Ende der 80er Jahre in Köln Produzentengalerien und Ausstellungen zum Thema Design organisiert, etwa die erste Schau von Jasper Morrison in Deutschland. Es waren spannende Zeiten – befeuert durch das experimentelle „Neue Deutsche Design“ und die geometrischen Pastellorgien von „Memphis“ interessierte sich eine immer breitere Öffentlichkeit für das Thema. „Das war eine völlig andere Szene als heute“, sagt Voggenreiter, die durch ihre Arbeit und Erfahrungen zum Schluss kam, noch viel mehr machen zu wollen.

Viel mehr – das hieß vor allem: Konzentration, sowie gleichzeitige Erweiterung und Öffnung. Die Internationale Möbelmesse (IMM), die Dichte an Möbelhäusern in der Stadt, die Hochschulen und das Museum für Angewandte Kunst (Makk) – darauf ließ sich aufbauen. 1990 startet Voggenreiter die erste Ausgabe der Passagen mit gerade mal 19 Ausstellern. Schon damals ist das Erfolgskonzept erkennbar. Ergänzend und parallel zur IMM, die zu dieser Zeit ausschließlich Möbel präsentiert, finden die Passagen in Ladenlokalen, Galerien und Hinterhöfen in der Innenstadt statt. „Räume mit Atmosphäre statt funktionaler Messehallen oder Überinszenierungen“ sagt Sabine Voggenreiter und ergänzt: „Wir haben nicht nur Möbel und nicht nur Händler gezeigt; das sollte querbeet gehen“. Neben den etablierten Möbelanbietern und Marken sind der Nachwuchs und die Newcomer aus den Hochschulen dabei; das Museum für Angewandte Kunst wird zum festen Spielort.

Über die Jahre haben sich die Passagen zur größten deutschen Designfestival mit höchst unterschiedlichem Publikum entwickelt. Neben den Fachleuten, den Messebesuchern, Designern und Journalisten schlendern auch interessierte Einheimische durch die 190 kostenlosen Ausstellungen, die im gesamten Kölner Stadtgebiet verteilt sind – „mitten im normalen Leben“, wie Voggenreiter betont. Diese Niederschwelligkeit ist ihr wichtig, sie will „Design zum Anfassen“ bieten. Durch die Nutzung leerer Hallen und besonderer Locations ermöglichen die Passagen zudem immer wieder neue Perspektiven auf die Stadt. Die DQE-Halle im Design-Quartier Ehrenfeld, die ehemalige Helios-Fabrik und der Rheinau-Hafen, bevor er zum Luxus-Viertel zurechtsaniert wurde, waren die Spielorte in den vergangenen Jahren. Es ist diese Mischung aus Veedel-Gemütlichkeit und Internationalität, die die Passagen so erfolgreich macht. Und das gleichberechtigt: Ein gelungener Showroom junger Designer im Hinterhof hat denselben Stellenwert wie die Aktion des Lichtdesigners Ingo Maurer, der einmalig den gesamten Hohlraum der Deutzer Brücke mit einer aufwendigen Lichtinstallation bespielte, die es sogar auf die Titelseite der New York Times schaffte.

Genauso wichtig wie die internationale Beachtung sind für Sabine Voggenreiter die Begegnungen und der direkte Austausch auf persönlicher Ebene. Mit dem ergänzenden Format Designers Fair, das seit 2009 zusammen mit Heimatdesign aus Dortmund konzipiert und veranstaltet wird, fördert man diesen Austausch zusätzlich. Kleine, regionale Design-Labels, wie etwa kasch kasch aus Köln, Rohstoff-Design aus Bottrop und fritz und Franken aus Münster, können sich dem Fachpublikum in cooler Atmosphäre und auf Augenhöhe mit internationalen Labels präsentieren. Design zum Anfassen eben.
Text: Volker K. Belghaus
Fotos: Wolfgang Burat

www.voggenreiter.com