Münster

Würden Geschichten, die über Münster im Umlauf sind, tatsächlich die Realität spiegeln, gäbe es in der Kommune mehr Fahrräder als Studenten und mehr Studenten als Einwohner. Das ist natürlich nur die halbe Wahrheit. Nach Erhebungen eines renommierten Beratungsunternehmens belegt Münster im NRW-Städteranking als Wirtschaftsstandort den ersten Platz - noch vor Düsseldorf oder Bonn. Das Oberzentrum im Westfälischen, seit 1915 im Status einer Großstadt, weist allein 43 Gewerbegebiete aus und als der 1899 eröffnete Kanal-Hafen seiner Bedeutung als Warenumschlagplatz verlustig wurde, waren Münsters Stadtplaner schlau genug, nutzlos gewordene Immobilien einer alternativen Nutzung zuzuführen. Seither bietet der „Kreativkai“ genannte architektonische Mix aus umgebauten Speicherhäusern und moderner Architektur einem quirligen Kulturviertel mit Büros, Ateliers, Restaurants und Clubs ein Zuhause. Münster ist hip, aber auch kostspielig. Nur unwesentlich höher sind Mietpreise in den Rheinmetropolen.
Wolfgang Kienast

Rüdiger Quass von Deyen

Er war Art Director bei Wirtschaftsmedien wie Handelsblatt und Capital, ist seit fast 25 Jahren Partner in der Designagentur KD1 und hat als Professor an der Münster School of Design auch schon knapp ein Dutzend Jahrgä...

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Stephanie Stark

Früher einmal sah es so aus, als schlügen mehrere Herzen in Stephanie Starks Brust: Sie war Grafikdesignerin mit einer Leidenschaft für Architektur. Dann verschlug es sie der Liebe wegen auch noch nach Mü...

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studio

Fritz und Franken

Ende November 2016 eröffneten Miriam Franken und Friedrich Gerdes ihren Onlineshop www.fritzundfranken.de. Damit ging das Paar den nächsten Schritt nach der Gründung ihrer GbR in 2014. Mit ihren beiden Kindern leben sie in Münster und haben dort ihr Büro mit angeschlossenem Showroom. Vor Ort wie auch online entdeckt man dieselbe Haltung in all ihren Produkten. Egal ob Kerzenleuchter, Regalsystem oder Bilderrahmen: Ihre Designs sind eine Einladung mitzugestalten. Das modulare Regalsystem build_up funktioniert zum Beispiel intuitiv: Die offenen Quader können beliebig gestellt oder gelegt werden, aneinander befestigt oder gestapelt werden, ohne, dass man vorher erst den passenden Inbusschlüssel in der Werkzeugkiste suchen muss. Für Miriam und Friedrich bedeutet modernes Wohnen mit dem eigenen Besitz beweglich zu bleiben. Mit build_up ermö
glichen sie diese Flexibilität. Auch ihr Farbkonzept ist so gewählt, dass sich das gesamte Produkt als gleichwertiger Gegenstand mit verschiedenen
Einrichtungsstilen verbindet. Nicht zu laut und nicht zu leise. Die Innovationskraft wird in der Materialwahl noch mal offensichtlich: Statt Holz wird
sogenanntes HPL (high pressure laminate) benutzt, das besteht aus unter Hitze und mit Harz gepressten Papierbahnen, die man zum Beispiel als Fassadenplatte aus dem Häuserbau kennt. Friedrich sagt dazu: „Wir sind beide gelernte Handwerker und das schätzen wir auch, aber wir gehen immer einen Schritt weiter und ändern Konstruktionen, in dem wir eine bestimmte Technik auf ein neues Material übertragen und so neue Funktionen hervorrufen.“Das kommt an. Build_up wurde 2015 mit dem German Design Award ausgezeichnet. Während Miriam und Friedrich im Designprozess oft von ihren eigenen Bedürfnissen und Ansprüchen ausgehen, lassen sie sich vor allem auf gemeinsamen Reisen inspirieren. Die
Erfahrungen, die sie noch vor ihrem Studium an der Münster School of Design in Mittelamerika gemacht haben, prägen ihre Arbeit immer noch:
„Da haben wir gelernt, wie man richtig gute Sachen hinkriegt mit Werkzeugen, die man hier nicht mal auf einer Baustelle benutzen würde.“Der Prozess von Ideenfindung und Umsetzung verlaufe mittlerweile fließend, erklärt Friedrich. Einer habe den Impuls, dann wird gemeinsam recherchiert und ausprobiert. Auch die Kinder sind Motoren für neue Produkte. „Beide malen gern und die Papierstapel wurden immer größer. Es fehlte der passende Rahmen um die Bilder auch zu zeigen.“ Jetzt gibt es „Rosa“, ein Set von drei gerahmten Blanko-Gemälden, das man selbst gestalten kann und auch wieder übermalen. So werden Momentaufnahmen zu Kunstwerken. Für die Zukunft wünscht sich das Start-Up möglichst organisches Wachstum. Die Kooperationen mit größeren Firmen wollen sie vorerst beibehalten um Reichweite zu generieren während mit Hilfe eines kleinen Teams eigene Produktserien hergestellt werden, die dann über den Onlineshop vertrieben werden. Dafür soll zusätzlich zum Büro und
Showroom eine eigene Modellbauwerkstatt entstehen. Wer sich ein Bild davon machen möchte besucht sie in ihrem Showroom in der Ferdinandstraße. In den Räumen einer alten Metzgerei kann man ihre innovativen Produkte nicht nur angucken sondern auch ausprobieren.
Autor: Judith Pielsticker
Foto (Flur):Christian Diehl

Ferdinandstr. 8
48147
http://www.fritzundfranken.de/