Essen

Irgendwo in den Weiten des Weltalls schwirrt ein Kleinplanet mit dem Namen „Essen“ herum. Er heißt so, weil er im September des Jahres 2003 an der Walter-Hohmann-Sternwarte entdeckt wurde. Ein gemeinnütziger Verein betreibt letztere als Volkssternwarte im Bezirk Werden/Kettwig/Bredeney. Vielleicht taugt der Asteroid ja tatsächlich als Symbol für die Bemühungen einer Stadt, neue Akzente zu setzen. „Das frühere Zentrum der deutschen Schwerindustrie […] hat sich zu einer modernen Stadt mit verschiedenen wissenschaftlichen und kulturellen Aktivitäten entwickelt“, hat man den Vorschlag zur Namensgebung seinerzeit begründet.
Immerhin: Essen wurde, stellvertretend für das gesamte Ruhrgebiet, zur Kulturhauptstadt 2010 gewählt. Am Ort (zugegeben, die Duisburger an der Uni Duisburg-Essen eingerechnet) sind etwa 45.000 Studierende eingeschrieben, allein 1500 an der renommierten Folkwang Universität. Außerdem: Wer „Probleme Essen“ googelt, bekommt Seiten zum Thema Ernährung ausgewiesen, nicht zur Stadt.
Wolfgang Kienast

Volker Belghaus

Geboren wurde der freie Journalist, Redakteur und Autor Volker K. Belghaus in den wilden 70ern im weniger wilden Wuppertal. Heute lebt und arbeitet er in Essen. Vier Jahre lang betreute er das Magazin, in dem diese ...

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Das Gespinst im Hermann

Das Gespinst im Hermann ist umgezogen: Seit Ende Oktober stehen die Türen des neuen Ateliers an der Waterloostraße 30 in Essen offen. Das Gespinst ist „ein virtueller und ein physischer Raum, ein Magazin, eine Schnittstelle, an der etwas passiert, so die Betreiber Judith, Jonathan und Maren. Mit der Eröffnungsfeier fiel auch zeitgleich der Startschuss für neue Ausstellungen und Workshops. Um den Ort auch nach dem Umzug weiter lebendig zu gestalten, ist für 2017 bereits einiges geplant: Im Februar wird Johannes Winkler einen Vortrag über eine „Trommelsprache“ aus Südindien, Kannakol, halten und zusätzlich einen Workshop zum Thema anbieten. Am 25. Februar gibt Jazz-Musiker Florian Walter mit seiner Band ein Konzert und im März wird sich der Künstler Benjamin Gages für eine Woche im Gespinst einnisten und anschließend präsentieren, was er so getrieben hat.

Ein Atelier kann so vieles sein, das Gespinst im Hermann ist, wie die Macher auf ihrer Homepage, den Philosophen Gilles Deleuze zitieren, ein Ort, „an dem es nichts zu erklären, nichts zu verstehen, nichts zu interpretieren gibt. Es ist wie ein Stromanschluss.“ Ein Gespinst als solches ist im Übrigen ein Spinnennetz, kein klassisches wie man es kennt. Viel mehr gleicht es einem gewebten Konstrukt, das vorwiegend dem Beutefang dient. Hier im Gespinst wandern Bücher durch das Atelier und erzählen ihre Geschichte, Illustrationen nehmen den Raum gefangen und Zeitschriften werden lebendig – all das zieht die Besucher und die Künstler in den Bann, fängt und wickelt sie ein. Interpretiert werden soll laut Deleuze nichts, dennoch lässt das Gespinst eine Menge Freiraum für spannende Ideen. Letztendlich ist das Gespinst ein Ort, an dem jeder seinen Platz findet. Ein Ort, dessen Boden, verziert von grauem Teppich, weiß und grau bemalten Wänden und geschmückt durch Ecken, Kurven und Kanten so lebendig und energisch ist, wie er es durch Besucher, Aussteller, Leser, Künstler und Macher nur sein kann.
Text: Sandra Redegeld
Fotos: Das Gespinst

Waterloostraße 3
45141
http://www.dasgespinst.de/

club

Hotel Shanghai

Eine überdimensional große, rosane Nacktkatze in einem dunkel Wald und ebenso große Augen verschiedener Tiere blicken auf die Gäste des in der Szene als wohl einer der besten Underground-Clubs bekannten Schuppens des Ruhrgebiets. In weißen Lettern auf einer schwarzen Leuchtreklame steht der Name Hotel Shanghai über dem Garagentor geschrieben, auf dem ein Amsterdamer Graffiti-/Airbrush-Künstler seine Arbeit an der bunten Außenfassade mit dem orangenen Logo des Clubs vollendete.  

Seit dreizehn Jahren veranstaltet Kay Löber, besser bekannt als Kay Shanghai, seine glitzernden Partyexzesse im ehemaligen Rockschuppen Kalei in der Steeler Straße 33. Das unkomplizierte schrille Publikum jeglichen Alters tanzt zu unterschiedlichen Partyreihen bei einer breitgefächerten musikalischen Auswahl zwischen Techno und Trash. Namhafte Künstler wie Ellen Allien und DJ Koze teilen sich das an Stahlketten und Seemanstauen von der Decke hängende DJ-Pult mit Underground Acts. Aber auch Konzerte unterschiedlicher Genres finden regelmäßig statt.

Die Künstler stehen auf einer Ebene mit dem partywütigen Volk, dass vor ihnen zappelt oder sich im oberen Bereich in einen der Séparées auf roten Kunstlederbänke ausruht. Ein kleines Treppenhaus, auf deren schwarzen Tapete grimmig drein blickende Pandas das Logo des Clubs umranden, führt nach unten. Dort erweiterten die Oberhausener Architekten Ben und Daniel Dratz vor vier Jahren den Club, in dem sie die ehemalige Tiefgaragenzufahrt umbauten. Schwarze Stufen führen zur Bar nach unten oder nach draußen in den Raucherbereich, während die gelben Buchstaben HOTEL an der Betonwand den Raum farblich ausleuchten.

Oben spielen die bunten Grafiken der Agentur für Kommunikationsdesign V2A - die auch den Internetauftritt des Clubs gestaltet - auf schwarzen Wänden Trompete oder tragen mit Mickey-Mouse-Händen einen alten Ghettoblaster. Eine LED-Collage aus Bambusstäben, Pandabären und Hirschgeweihen eines bekannten Spirituosenherstellers beleuchtet den Weg vom Eingangsbereich bis zur Tanzfläche. Dort feiert die Masse bis in die Morgenstunden unter hunderten, an der Decke schwebenden Origami-Papiervögeln.
Hauptsächlich an Frei- und Samstagen öffnet der Club ab 23 Uhr; die jeweilige Partyreihe sowie Konzerte und Sonderveranstaltungen sind dem Veranstaltungskalender auf der Website zu entnehmen.
Text: Natalie Waschk
Fotos: Lukas Vogt

Steeler Str. 33
45127
http://www.hotelshanghai.de

art

Museum Folkwang

Das 1902 von Karl Ernst Osthaus zunächst in Hagen gegründete Museum Folkwang, ist das erste Museum für zeitgenössische Kunst in Europa.

Der Name des Museums entspringt der altnordischen Mythologie. Folkvangar ist der Palast der Göttin Freya im Versepos Edda und bedeutet Volkshalle. Osthaus wollte Kunst und kulturelle Bildung für alle zugänglich machen, um “zu einer Verbesserung des öffentlichen Geschmacks beizutragen”. Mit dem Erbe seines Großvaters gründete er eins der ersten Museen Europas, das sich mit der Kunst der Moderne beschäftigte. 1921 erwarben die Essener Bürger, die den Folkwang-Museumsverein gründeten, die Sammlung des kurz zuvor verstorbenen Osthaus’, um sie dann 1922 mit dem bestehenden Städtischen Kunstmuseum zum heutigen Museum Folkwang zu vereinen.

Das Museum präsentiert umfangreiche Sammlungen der deutschen und französischen Malerei des 19. Jahrhunderts, der klassischen Moderne sowie der Kunst nach 1945. Mit einem Bestand von über 60.000 Fotografien, zählt die 1978 gegründete Fotografische Sammlung zu den angesehensten in Europa. Das Deutsche Plakat Museum im Museum Folkwang gehört mit mehr als 350.000 Plakaten aus politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Bereichen zu den weltweit größten Sammlungen. Über die ständigen Sammlungen hinaus, konzentriert sich das Museum heute in seinen Wechselausstellungen vor allem auf gegenwärtige Kunst.

Der denkmalgeschützte Altbau des Museums wurde 2010 mit dem gläsernen Neubau des englischen Architekten David Chipperfield erweitert. Der hauptsächlich durch Tageslicht erhellte Bereich bietet Platz für Sonderausstellungen, einen Studien- und Lesesaal sowie das Café und Restaurant Vincent & Paul und die Buchhandlung Walther König. Glasfassaden, Innenhöfe und eine große Freitreppe vor dem Haus laden Bewohner und Besucher offen ein - stets nach dem alten Grundgedanken Osthaus`.

Auch in seinem Sinne wäre es wohl gewesen, dass seit Juni 2015 der Eintritt für die ständige Sammlung des Museums für zunächst fünf Jahre durch die Förderung der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung frei ist.

AUSSTELLUNGEN 2017
EXHIBITIONS:
MARIA LASSNIG

  1. März – 21. Mai 2017

GERHARD RICHTER
Die Editionen.

  1. April – 30. Juli 2017

SAN FRANCISCO 1967
Plakate im
Summer of Love

  1. Juni – 3. September 2017

Text: Natalie Waschk
Foto zeigt: Gerhard Richter 
Ella, 2014
Digital Fine Art-Druck auf Papier, 54,5 x 44 cm
© Gerhard Richter, 2016

Museumsplatz 1
45128
http://www.museum-folkwang.de

art

Pact Zollverein

Die ehemalige Waschkaue ist in erster Linie ein Künstlerhaus für performative Kunst. Am Residenzprogramm nehmen KünstlerInnen aus aller Welt teil: hier pulsiert das Herz dieser Forschungsstelle und Bühne für Tanz, Performance, Theater, Medien und Bildende Kunst. Jedes Jahr proben und produzieren 30 Künstlergruppen, KünstlerInnen, WissenschaftlerInnen und Studierende verschiedener Disziplinen ihre Projekte und verweben in einem geistigen und physischen Tanz unterschiedlichste Stile und Methoden und machen das Haus einmalig in Europa. Stücke junger Künstler wechseln mit denen weltbekannter Größen. Die Waschkaue ist mal Theater oder Kino, mal Seminarraum oder Nacht-Bar, mal Galerie oder Freilichtbühne, mal Konzertsaal oder Märchenhaus - aber immer ein hochlebendiger Kulturort.
Text: Christian Caravante
Foto: Robin Junicke

Bullmannaue 20a
45327
http://www.pact-zollverein.de/

art

Ruhrmuseum

Schon die Rolltreppe ist den Besuch wert: Sie führt orange-leuchtend hinauf auf 24 Meter Höhe und damit hinein in die ehemalige Kohlenwäsche der Zeche. Oben angekommen, laufen Besucher analog zum früheren Produktionsprozess durch das Gebäude nach unten, entlang erkalteter Maschinen, Schächte überspannenden Brücken, Rohren, Rutschen und Förderbänder. Nie hätte ein Neubau die gleiche Kraft entfaltet, die Geschichte des Ruhrgebiets zu erzählen, wie dieser Umbau von Rem Kohlhaas und Heinrich Böll. Die Dauerausstellung im größten Gebäude des UNESCO Welterbes Zollverein mischt Natur- und Kulturgeschichte, erzählt die Mythen und Fakten des Ruhrgebiets via Archäologie, Fotografie, Gemälde, Film und interaktiver Objekte.
Text: Christian Caravante
Foto: Matthias Duschner/Stiftung Zollverein

Gelsenkirchener Straße 181
Gelsenkirchener Straße 181
https://www.ruhrmuseum.de

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Zeche Zollverein

An diesem Ort kommt zusammen, was zusammenpasst: Das UNESCO Welterbe Zeche Zollverein und das Design Zentrum Nordrhein Westfalen. Beide sind Industriekinder, beide folgten einst einem anderen Zweck und beide sind heute weltbekannt. Die Zeche war lange ein auf Funktionalität getrimmter, gigantischer Fabrikationskomplex des Kohlebergbaus - bis 1986 aktiv. Das Designzentrum wurde in den 50er Jahren an anderer Stelle zunächst als „Verein Industrieform“ gegründet. Damals krankte der deutsche Export trotz Wirtschaftswunders und die amerikanische Industrie war in Gestaltungsfragen weit voraus. Sowohl die Zeche Zollverein wie das Design Zentrum Nordrhein Westfalen (wie es seit 1990 heißt) stehen heute für Geschichte und Zukunft und vor allem: Schönheit. Klar beeindrucken die Gebäude auf Zollverein von Stararchitekten wie Rem Kolhaas, dem Architektenbüro SANAA oder Sir Norman Foster. Aber eine ganz eigene Kraft, ja Eleganz, finden wir im Förderturm, der Kohlenwäsche und Kokerei, den kilometerlangen Rohren, roten Backsteinbauten und jetzt stillen Maschinen. Einer anderen Formensprache, von gleicher Funktionalität und Eleganz, begegnen wir im „red dot design museum", als publikumswirksamster Teil des Design Zentrums. Hier werden auf über 4.000 Quadratmetern mehr als 1.000 Exponate ausgezeichneter Designproduktion ausgestellt, vom ausgefallenen USB Stick bis zur Lichtinstallation. Damit ist das Haus die weltweit größte Ausstellung zeitgenössischen Designs, hat zwei Ableger in Asien und verleiht jährlich einen renommierten Preis. Der Kontrast aus pittoresk rostender Industriearchitektur draußen und feinem auch futuristischem Design drinnen wird wohl jeden Besucher beeindrucken.
Text: Christian Caravante
Fotos: Designzentrum NRW

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https://www.zollverein.de/