Natalie Waschk - Gelsenkirchen

Zwischen Kneipe und Hochkultur

Einige würde sagen, Gelsenkirchen kann niemand lieben. Diese Menschen haben allerdings noch nicht mit Natalie Waschk gesprochen. Dennoch ist ihr Verhältnis zur Stadt trotz intensiver Heimatliebe - oder gerade deshalb - ehrlich: „Gelsen ist sowas wie das Aufzeigen der Dinge, die gut und schlecht sind. Also wirklich wie ein zu Hause. Wovon man lernt, sich erinnert, wo man manchmal aber auch froh ist, von weg zu sein.“ So zieht es sie immer wieder in die Welt, wie zum Beispiel als sie ein halbes Jahr in Indonesien studierte und dort für eine Zeitung tätig war. Glücklicherweise kehrt die junge Journalistin immer wieder zurück. In ein Zuhause, welches sie mitgestaltet - in der Tätigkeit als Journalistin für lokale Magazine wie Hömma oder eben Heimatdesign, aber ebenfalls durch Mitgliedschaften bei diversen Vereinen und Initiativen. Im wilden Viehtreiberhaufen der Kulturakteure Insane Urban Cowboys sattelte Natalie auf und die interkulturelle Initiative „Willkommen bei uns“ unterstützt sie ebenso wie den Tierschutzverein. Sowohl als Journalistin als auch in ihren anderen Tätigkeitsfeldern versucht Natalie diese Welt etwas besser zu machen – „nicht zehn von zehn, aber wenigstens ein Bisschen.“
Autor: Jan Kempinski
Foto: Julia Haack

parks & places

Amphitheater Gelsenkirchen

Ein Glanzlicht des Nordsternparks ist dieses Freiluft-Venue. Wo einst am Rhein-Herne-Kanal Kohlefrachter beladen wurde, wird heute Publikum beschallt. Das Amphitheater ist bekannt für seine ausufernden Festivaltage und den wunderschönen Blick aufs Wasser. Von MTV bis Helge Schneider; hier wird nicht geplänkelt, sondern gerockt. Vom Aufbau her an das antike Vorbild erinnernd, ist das Theater selbst sehr modern, offen und einladend gestaltet. Auch ohne Extraschicht & Co als Anlass lässt es sich auf den Stufen gut entspannen, während man der fließenden Revier-Ader lauscht. Die Location ist nicht nur für tolle Optik, sondern auch grandiose Akustik bekannt.
Autor: Miedya Mahmod

Grothusstraße 201 45883 Gelsenkirchen http://www.amphitheater-gelsenkirchen.de/

consoltheater

Schauspielhaus. Ausbildungsplatz. Begegnungsstätte. Das Consoltheater ist der perfekte Beweis dafür, dass Strukturwandel ein Synonym für neue Möglichkeiten sein kann. Auf dem ehemaligen Zechengelände Consolidation gelegen ("kultur.gebiet CONSOL") und damit in unmittelbarer Nähe einer beeindruckenden Kunstinstallation von alten Werkzeugen, die an die Tage unter Tage erinnert, Sport- und Grünflächen, ruhrgebietsweiten Radwegnetzen und mehr, gibt es hier Theater(-Pädagogik) vom Feinsten. Besonders für Kinder und Jugendliche bietet das Programm viel - aber auch die Großen kommen auf ihre Kosten bei der Spielzeit, wenn Nathan und Werther mehr als Schullektüre werden oder die VOLX-Bühne, ein Mitmachprojekt des Hauses, ruft.
Autor: Miedja Mahmod

Bismarckstraße 240 45889 Gelsenkirchen http://www.consoltheater.de/

art

Galeriemeile Gelsenkirchen

Auf der Bergmannstraße bedeutet der Begriff Street Art nicht adoleszenter Gymnasiastenvandalismus und schlechte Schuljungengraffiti. Hier ist Street Art wörtlich zu nehmen: Eurasia&pilgrim.Art, Ue12-parterre, BGK, Galerie Stein, Kunststation Rheinelbe - ein Atelier neben dem nächsten. Wechselnde Ausstellungen, überregionale Künstler, ab und an Pop-Up-Shops, regelmäßige Projekttage (z.B. ‚Licht an‘ /,Tür auf ‘ ). Freilichtmuseumsfeelings in the air! Was 2009 als loser Zusammenschluss von Künstlern begann, heißt heute Galeriemeile Gelsenkirchen e.V., der sich durch Förderer und viel Herzblut davor hütet, austauschbar zu werden. Die Galeriemeile schließt am Wissenschaftspark an und liegt unweit der Heilig-Kreuz-Kirche.
Autor: Miedya Mahmod

Bergmannstraße 37 45886 Gelsenkirchen http://www.galeriemeile-gelsenkirchen.de

parks & places

Heilig-Kreuz-Kirche

Imposante Kirchen können viele. In Gelsenkirchen Ueckendorf findet man aber die Heilig-Kreuz-Kirche, ohne Putten, Goldbögen und Brimborium, dafür mit Parabeln und typischen Merkmalen des Expressionismus. Ende der 20er Jahre nach Architekt Josef Franke verwirklicht, wurde sie 2007 entwidmet und ist einer der außergewöhnlichsten Teile der 'Route Industriekultur'. Die zweitgrößte Kirche des Backsteinexpressionismus soll zukünftig konfessionslos als Gemeindesaal dienen. Bildlose, massive Glasfenster in der Taufkapelle schaffen einzigartiges Licht, während die Deckenhöhe und -ikonographie die Kirche als optimalen Raum, um Gedanken aufsteigen zu lassen, kennzeichnet.
Autor: Miedya Mahmod

Bochumerstr. 113 45886 Gelsenkirchen

art

Künstlersiedlung Halfmannshof

Idyllisch im Süden gelegen und seit Jahrzehnten für und von Kunstschaffenden da: Die Siedlung beherbergt aktuell rund 20 Künstler aller Art, die hier wohnen und arbeiten können. Als Besucher ist der Blick hinter diese außergewöhnliche Kulisse Pflicht und es empfiehlt sich, ins Gespräch mit den Anwohnern zu kommen. Mitglieder der Siedlung organisieren regelmäßig Führungen für Besucher. Die freundliche Atmosphäre, ruhige Gegend und gefühlte Entfernung vom hektischen Stadtalltag machen den Hofplatz zu einem tollen Erlebnis. Schick, schick, Halfmannshof - und das seit 1931.
Autor: Miedya Mahmod
Fotos: Alina Lupu und Edi Szekely/Urbane Künste Ruhr

Halfmannsweg 45886 Gelsenkirchen http://www.halfmannshof-gelsenkirchen.de

art

Kunstmuseum Gelsenkirchen

Die Wurzeln des Kunstmuseums liegen in den Zwanzigern: Nach zwei Weltkriegen, mehreren Anläufen und dem Ausbau 1982 stand das heutige Museum stolz. Das darf es auch 2017 weiterhin tun. Vom 19. Jahrhundert bis zu aktuellen Strömungen reicht die Palette an Werken. Ob nun die ersten Ansätze der Moderne, Expressionisten oder die deutschlandweit einzigartige Sammlung zu Kinetik in der Kunst; u.a. finden sich Namen wie Max Liebermann, Pechstein, Karl Hofer, Emil Schumacher oder Käthe Kollwitz. Kunst zu vermitteln ist dem Haus ein besonderes Anliegen und so ist neben öffentlichen Führungen auch ein Programm für Demenzkranke terminiert oder individuell buchbar. Der Eintritt ist kostenlos (Kunst für alle zugänglich machen. Amore!), aber sicher nicht umsonst.
Autor: Miedya Mahmod

Musiktheater im Revier

Hinter dem unspektakulären Namen verbirgt sich eine bunte Tüte, gefüllt mit allem, was Ton und Bühne miteinander verbindet. Das MiR bietet neben Oper, Ballett und Philharmonieabenden im großen Haus und Musiktheaterstücken, Märchen und Jugendtheater im kleinen Haus noch so viel mehr. Kabarett mit Hagen Rether, Sonderkonzerte wie "Miss Marple Meets Rocky", musikalische Lesungen mit Rufus Beck & Walachowski Brüder, Musicals und Salongespräche zu Theaterthemen oder auch Backstage- und Baukunstführungen mit Mitarbeitern und Architekten, all das ist nur ein Teil des groß en Programm- und Spielplans 2017. Allein des gläsernen Baus wegen ist ein Blick ins MiR wirklich nur schwer abzuschlagen. Karten sind an der Theaterkasse, aber auch online erhältlich.
Autor: Miedya Mahmod
Foto: Pedro Malinowski

Kennedyplatz 45881 Gelsenkirchen https://musiktheater-im-revier.de/

parks & places

Nordsternpark

Als Teil der 'Route Industriekultur' ist dieser Landschaftspark mehr als Blümchen & Bienen. 1997 Austragungsort der Bundesgartenschau gewesen, ist der Park heute noch Heimat der nach einem Entwurf von Stefan Polónyi gebauten Doppelbogenbrücke. Neben Wasserspielplatz, 18 Meter hoher Kletterfelswand, Emscher und Rhein-Herne-Kanal, finden sich außerdem viele Rad-und Fußwege. An wärmeren Tagen kann Mensch hier sicher gut entspannen. Industrieintegration in groß gedacht: Seit „ Kulturhauptstadt Ruhr.2010 “ ist einer der Schachttürme um den kolossalen Herkulesentwurf von Markus Lüpertz erweitert und damit auf über 100 Meter erhöht worden. Spätestens beim Besuch des nächsten Konzerts auf der parkeigenen Open-Air-Bühne (s. Amphitheater) sollte man sich hier mal genauer umschauen.
Autor: Miedya Mahmud

Am Bugapark 1 45899 Gelsenkirchen https://www.nordsternpark.gelsenkirchen .de/

eat & drink

Rosi

Wer in Gelsenkirchen von Cem Özdemir redet, der meint keinen Grünen-Politiker, sondern den Besitzer des städtischen Hotspots. Cem ist der Mann hinter der guten Rosi, ehemals Rosamunde. Nach eineinh alb Jahren Pause öffnete sie 2013 wieder die Pforten für Jazz, DJs, Lesungen und natürlich für das urbane durstige Volk. Rosi ist etwas Ehrenfeld, etwas 70s, etwas Ruhrpott-Kneipenkult und eine Menge Vielfalt. Die Perle ihres Kiezes lässt auch noch spät nachts die Stehlampen an, während das Astra fließt, der Pfefferminztee kocht und die fritz-Cola geschlürft wird. Für gute Musik ist gesorgt. Ähnlich wie die Möbel, die alleine schon zum stundenlangen Verweilen einladen, ist Rosis Soundtrack nicht zu grell, aber bunt, nicht zu leise, aber nie störend für Dialog & Plauderei bei Limo oder Bierchen. Tipp: nach dem Aktionshahn fragen! Der Mix aus Kneipe & Café ist für junge Städter wie alte Heimkehrer da. Reingehen, setzen, gute Zeit haben.
Autor: Miedya Mahmod

Weberstraße 18 45879 Gelsenkirchen http://www.rosi-online.de/

Wohnzimmer Gelsenkirchen

Portraits. Nachkriegskinder, Großeltern, SeniorInnen. Schulkinder, Enkel, NachwuchsentdeckerInnen - und das eigene Gesicht: "Blick zurück nach vorn" (Klingeberg/Fox) ist nur ein aktuelles Beispiel dafür, wie Kunst im Wohnzimmer mehr als nur konsumiert wird. Spiegel etablieren den Betrachter ins Gesamtwerk und man selbst wird Teil der Fotographien. Von Vernissagen an der Wall Of Art, Open Stage-Abenden mit jungen Talenten und alten Stadtlegenden oder geladenen Gästen aus Sydney, Berlin, Herne, die unter der Reihe "Hausmusik" spielen, gibt es alles - plus authentisch Schalke04 gucken obendrauf. Indie-Alternative-Folk-Rock-Neo-Pop: hier macht Musik Liebe. Als Veranstaltungsraum mietbar ist das Kulturhaus sonst trägerungebunden, spendenfinanziert und gemeinnützig.
*Autor: Miedya Mahmod*Kursiver Text

Wilhelminenstraße 174b 45881 Gelsenkirchen http://www.wohnzimmer-ge.de/