Marcus Schütte - Oberhausen
Stadt der Soziokultur, internationale Kurzfilmtage und mehr
Marcus Schütte ist gebürtiger Oberhausener und mit anspruchsvollen Bewegtbildinhalten aufgewachsen. Einer seiner Onkel war jahrelang Filmvorführer der Kurzfilmtage und zeigte zu verschiedenen Familien-Anlässen den jüngsten Verwandten mit Vorliebe Beiträge aus dem umfangreichen Festivalarchiv. In den 80er und 90er Jahre besuchte er regelmäßig den örtlichen Festivalableger „Filmothek der Jugend“. Seit 1998 sitzt er nun nicht mehr nur als Kinobesucher vor der Leinwand, sondern unterstützt das weltweit älteste und renommierteste Festival für kurze Filmformate auch aktiv. Aus dieser Mitarbeit erwuchsen zahlreiche weitere Engagements für Filmfestivals und -institutionen NRW- und bundesweit. Einige Jahre war er als Autor für diverse Tageszeitungen und Monatsmagazine aktiv. Seit der Gründung seiner Agentur MaschMedia betreuen der gelernte Handelsfachwirt und sein Team diverse weitere Themen aus Hoch- und, Soziokultur, Kabarett/Comedy, Klassik-, Jazz- und Popmusik, Kunstpädagogik aber auch der Marken-Kommunikation. Darunter die Eröffnung des Rock- und Popmuseums in Gronau, die Kinderfilmtage im Ruhrgebiet, das Museum für Architektur und Ingenieurkunst und die Ausschreibung „Faktor Kunst“ der Montag Stiftung Kunst- und Gesellschaft. Als Head of Marketing & Sales verantwortet er seit 2004 zudem die Vermarktung des NRW-Feuilletonmagazins „k.west“ dessen Mitgesellschafter er auch ist.
Früh widmete er sich sich auch Online-Themen, in den Aufbruch-Zeiten des Web zum Beispiel der Dieter Nuhr Reihe „Nuhr Internet“. Dies mündete in der Gründung von NETZKULT, einer Sparte für Online-Kommunikation. Seitdem ergänzen Social Media Kampagnen, Blogs- und Websites sein Kulturmarketing-Portfolio. Man darf ihn daher auch im Wortsinne als Crossmedia-Spezialisten bezeichnen. Zuletzt wurden unter anderem das Dortmunder U, das Jubiläum „200 Jahre Westfalen.Jetzt!“ die Ausstellung „The World Of Tim Burton“ im Max Ernst Museum in Brühl, die Plattform NRW-Skulptur sowie die Filmstarts des Winkelmann-Meisterwerks „Junges Licht“ und „Beltracchi, Kunst der Fälschung“ begleitet, letzterer gewann den deutschen Filmpreis.
"Ich bin einer der letzten Eisenheimer, der noch auf Zeche Osterfeld arbeitet“, sagte Marcus Schütte 2007 gegenüber der WAZ und ist damit nicht nur ein Akteur der lokalen Kulturszene, sondern auch der lebende Beweis für den Strukturwandel im Ruhrgebiet. Nun sitzt er zwar mittlerweile mit seinem Büro am Max-Planck-Ring, die Rolle des Lokalakteurs hat er allerdings weiterhin inne. So engagiert er sich unter anderem für die Realisierung der Concordia Skulptur des Künstlers Jörg Mazur und ist im Kreativquartier Eisenheim e.V. zur Belebung der denkmalgeschützten, ältesten Arbeitersiedlung im Ruhrgebiet aktiv.
Foto: Bernhard Handick
Kiez-Zentrum mit viel Kultur
Schauspiel, Kabarett und Kleinkunst, Musik und Ausstellungen – der Ebertplatz in Oberhausen ist Ausgangspunkt für vielfältige Kulturerlebnisse. Von hier aus erreicht man nicht nur das Theater Oberhausen und seine kleine Spielstätte, den Malersaal. Schräg gegenüber steht das Ebertbad, ein Jugendstilbau aus dem Jahr 1895, in dessen schnicken Bühnenraum Kabarett und Comedy, Revuen und Konzerte stattfinden. Neu am Platz, vis-à-vis vom Ebertbad, kann man jetzt außerdem Kiez Ruhr besuchen. Das neue multioptionale Ort bietet Raum für Ausstellungsflächen, Verkaufsräume, Werkstätten, Arbeitsplätze – was ein kreativer Kopf eben so braucht.
Text: Max Florian Kühlem
Ebertstraße 4 46045 Oberhausen
Kurze Filme – lange Tradition
Der Kurzfilm ist sehr lebendig in seiner Nische. Wer das erfahren will, sollte im Mai nach Oberhausen fahren. Mit Basis im schönen Lichtburg Filmpalast in der alten Innenstadt findet dort das älteste Kurzfilmfestival der Welt statt – 2017 bereits zum 63. Mal. Neben dem internationalen, dem deutschen, dem NRW- und dem internationalen Kinder- und Jugendfilm-Wettbewerb gibt es auch einen Preis für Musikvideos und jedes Jahr einen thematischen Schwerpunkt. 2011 war es „Das Kino der Tiere“, 2016 „Auf der Suche nach dem neuen Lateinamerika“.
Nächster Termin: 11.-16.5.2017
Text: Max Florian Kühlem
Fotos: Chris Schönund Daniel Gasenzer
Elsässer Str. 26 46045 Oberhausen http://www.kurzfilmtage.de
Verführerischer Sprung über den Kanal
Mit Kaisergarten und Schloss Oberhausen, in dem die Ludwiggalerie zu finden ist, verbindet sie zwei der schönsten Orte der Stadt – und ist selber mehr Ziel als Weg: Die Rehberger Brücke über den Rhein-Herne-Kanal. Die 460 Meter lange Spannbandbrücke ist benannt nach dem Bildhauer Tobias Rehberger, der sie entworfen hat, sieht aus wie eine in bunten Farben leuchtende Raupe und trägt auch einen weiteren Namen: „Slinky springs to fame“. Nach ihrer Eröffnung 2011 musste die Stadt Anfang 2016 schon die ersten Sanierungsarbeiten durchführen: Vandalismus und die unsachgemäße Entfernung so genannter „Liebesschlösser“ hatten sie beschädigt – dennoch ist sie einen Besuch wert.
Text: Max Florian Kühlem
Konrad-Adenauer-Allee 46 46049 Oberhausen
Innovatives Raumgefüge für alle Generationen
Viele Städte stehen aktuell vor der Herausforderung, ihre Bibliotheken zukunftsfähig aufzustellen. Es gilt, auf neue Mediennutzungsformen und demographische Gegebenheiten zu reagieren. Die Stadtteilbibliothek in Oberhausen-Sterkrade hat da Vorbildcharakter: Im März 2016 in einer lange leerstehenden, ehemaligen Sparkasse-Filiale eröffnet bietet sie Medien aller Art, kostenlose Internet-Arbeitsplätze, Platz für Lerngruppen, eine Cafeteria, Außenterrasse und ein fest stehende Bühne – nicht nur für Lesungen. Hier haben auch Theater, Kabarett, Konsolenspiel-Abende oder Repair-Cafés Platz.
- Text: Max Florian Kühlem*
Wilhelmstraße 9, 46145 Oberhausen http://www.oberhausen.de
Geheimtipp der Schauspielkultur
Wie sehr die Oberhausener an ihrem Theater hängen, zeigt seine Geschichte: Nach der Zerstörung im 2. Weltkrieg hat es 1947 als erstes deutsches Theater den Spielbetrieb wieder aufgenommen. Es gehört mit seinen knapp 600 Plätzen zwar nicht zu den größten Theater der Region, aber zu den schönsten und interessantesten: Intendant Peter Carp hat es durch den Aufbau eines tollen Ensembles und das Engagement von spannenden Regisseuren wie Herbert Fritsch von der Volksbühne zu bundesweiter Aufmerksamkeit geführt. Beste Voraussetzungen für Nachfolger Florian Fiedler, der im Sommer 2017 übernimmt.
Text: Max Florian Kühlem
Will-Quadflieg-Platz 1 46045 Oberhausen http://www.theater-oberhausen.de
Zentrum der Soziokultur
Wenn man das Ruhrgebiet als Metropole beschreiben will, dann als eine Metropole mit vielen Zentren, als eine riesige Ansammlung kleiner Städte. In solch einem urbanen Raum ist es wichtig, auch außerhalb der großen Stadtkerne Kulturarbeit zu machen. In Oberhausen geschieht das mit einer beispiellosen Vielzahl soziokultureller Zentren. Die Ruhrwerkstatt zum Beispiel befindet sich in einer ehemaligen Fischfabrik im Stadtteil Styrum – in Spuckweite zu den Nachbarstädten Mülheim und Duisburg. Sie ist Familienzentrum, Altenpflegeeinrichtung, Bildungswerk, Veranstalter von Stadtteilfesten und Kulturprogramm im schönen Café und Bühnenraum AKA 103. Mit der 1969 gegründeten Fabrik K14 findet man südlich der alten Innenstadt Oberhausens außerdem das älteste, noch existierende soziokulturelle Zentrum Deutschlands. Hier treffen sich Menschen jeden Alters, verschiedener Religionen und Nationalitäten zu Gesprächen, Spielen und Veranstaltungen. Eine echte Institution und ein Tummelplatz für die linke Subkulturen ist das Drucklufthaus. Hier kann man phänomenale, alternative Partys auf fünf Floors und einem wunderschönen Außengelände feiern und legendäre Live-Konzert erleben. Ebenfalls in Bahnhofsnähe, ebenfalls eine Institution mit tollem Kulturprogramm: Das Zentrum Altenberg.
Text: Max Florian Kühlem